Kleidung Reparieren

Willkommen auf kaputt.de!

Du hast ein kaputtes Kleidungsstück, möchtest es aber nicht direkt wegschmeißen? Dann bist du hier richtig. Wir liefern dir interessante Infos und die besten Tipps und Methoden zum Reparieren deiner kaputten Kleidungsstücke. In diesem Artikel werden wir dir erklären, wieso es eine super Idee ist, Kleidung zu reparieren, und wie du die häufigsten Schäden ganz einfach selbst beheben kannst. Viel Spaß beim lesen!

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Nichts begleitet uns so selbstverständlich durch den Alltag wie unsere Kleidung. Seit Menschen gedenken (oder eigentlich schon länger) bietet sie uns nicht nur Schutz vor Kälte, Wetter und fremden Blicken, sondern dient auch dem Ausdruck von Beruf, Status, Identität, oder auch Stimmung.
Nie gab es so viel Kleidung wie heute - laut einer Greenpeace-Studie hatten die Deutschen 2015 durchschnittlich 95 Kleidungsstücke, Tendenz steigend. 2018 wurden pro Person durchschnittlich über 56 neue Kleidungsstücke angeschafft - das ist mehr als eins pro Woche (Statistiken dazu gibt es hier). Weltweit werden über eine Billion Euro jährlich für neue Kleidung ausgegeben.

Wenn du dich jetzt fragst, wo so viel Kleidung überhaupt hin soll, ist die Antwort genau so erschreckend: Mehr als die Hälfte aller Schuhe, Oberteile und Hosen werden in Deutschland nach weniger als 3 Jahren wieder entsorgt - die häufigsten Gründe: Die Kleidung ist verschlissen, passt nicht mehr, oder gefällt nicht mehr. Fast die Hälfte der Befragten in der Greenpeace-Studie hatten noch nie Kleidung repariert oder reparieren lassen, der größte Teil dagegen schon einmal welche weggeschmissen.

Natürlich ist manchmal einfach nichts mehr zu retten - oder es findet sich einfach niemand, der irgendein altes Stück noch haben möchte. Aber gerade wenn Kleidung kaputt geht, die man eigentlich noch behalten wollte, ist wegschmeißen nicht nur ärgerlich, sondern meistens auch gar nicht nötig!


Warum Kleidung reparieren?

Deine Kleidung zu retten hat viele Vorteile. Einerseits kannst du viel Geld sparen, denn Material und Aufwand halten sich bei vielen Reparaturen im kleinen Rahmen. Außerdem wird die Umwelt geschont - neue Kleidung zu produzieren verbraucht nämlich sehr viel Wasser und andere Ressourcen, und meistens ist der Großteil deines Kleidungsstücks ja auch noch völlig in Ordnung. Und nicht zu vergessen: es ist ein tolles Gefühl, etwas repariert zu haben! Besonders, wenn es dann auch noch deine Lieblingshose oder dein bestes Hemd ist.

Was muss ich beachten?

Oft ist Kleidung reparieren gar nicht so schwierig, wie man sich vielleicht vorher vorgestellt hat. Wenn du diese paar Grundsätze beachtest, steht deinem Reparier-Glück nichts mehr im Wege:

  • Je früher, desto besser: Viele Löcher, Risse und offene Nähte fangen klein an - kümmere dich besser gleich darum, dann sparst du dir später den großen Aufwand. Das gleiche gilt übrigens auch für Flecken.
  • Hol dir Hilfe: Wenn du dich unsicher fühlst und nicht noch mehr Schaden anrichten willst, dann such dir einfach jemanden, die oder der dir helfen kann. Bestimmt hat jemand in deinem Freundeskreis oder deiner Familie schon mal etwas geflickt, gestopft oder genäht. Und wenn nicht, schau dich doch mal um, ob es in deiner Nähe ein Repair-Café gibt. Oft brauchst du dort noch nicht einmal eigene "Ausrüstung". Kleiner Tipp: Deine Oma freut sich bestimmt auch über einen Besuch!
  • Wage dich ans Nähen: Wenn Nähen für dich immer noch ein abschreckender Faktor ist, dann bist du damit nicht allein! Was früher noch in der Schule unterrichtet wurde, ist heutzutage bei uns aus dem Alltag fast verschwunden. Das muss aber nicht heißen, dass du es nicht schaffen kannst! Einfache Näharbeiten sind alles andere als unmöglich, und Nadel und Faden kosten dich nur ein paar Euro. Im Internet findest du unzählige Anleitungen und Einstiegstipps, z.B. bei Utopia. Und wer weiß, vielleicht findest du dabei ja gleich noch ein neues Hobby!
  • Bewahre Stoffreste auf: Oft kannst du kleine Stücke Stoff benutzen, um Löcher in deiner Kleidung auszufüllen. Wenn also doch mal etwas weggeschmissen werden muss oder du deine Kleidung gekürzt hast, dann bewahre einfach ein Stück vom Stoff auf, das noch gut erhalten ist. Das nimmt nicht viel Platz weg und später wirst du dich vielleicht noch darüber freuen!
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Die häufigsten Schäden - und was du tun kannst

Jedes Kleidungsstück hat seine eigenen Problemzonen - bei einigen der häufigsten Schäden kannst du aber schon ohne viel Talent und Aufwand gute Lösungen erzielen.

Abgerissener Knopf

Einen abgerissenen Knopf kannst du zum Glück sehr einfach wieder befestigen.

Was du brauchst:

  • Eine Nähnadel, die dünn genug ist, um durch den Knopf zu passen
  • Einen farblich passenden Faden (durch den Knopf passen sollte dieser natürlich auch)

Lege den Knopf an der richtigen Stelle auf dein Kleidungsstück. Vergleiche die Lage und Ausrichtung mit den restlichen Knöpfen in der Reihe und mit dem zugehörigen Knopfloch. Stich Nadel und Faden von unten durch den Stoff und direkt durch den Knopf, ohne ihn dabei zu verrücken. Dann stichst du von oben in das andere Knopfloch und wieder durch den Stoff nach unten. Das solltest du noch mindestens einmal wiederholen, damit der Knopf stabil befestigt wird. Achte dabei auch darauf, dass genug Luft zwischen Knopf und Stoff bleiben - hier kannst du dich auch wieder an den restlichen Knöpfen orientieren. Wenn du mit der Nadel ein paar mal durch die Löcher und zurück gegangen bist, stich noch einmal von unten durch den Stoff, diesmal aber nicht durch den Knopf. Stattdessen wickelst du den Faden ein paar mal um die Stücke, die zwischen Knopf und Stoff verlaufen. Anschließend stichst du wieder durch den Stoff nach unten. Jetzt brauchst du den Faden nur noch ein paar mal durch die entstandenen Schlaufen zu ziehen, um alles zu befestigen. Am Ende schneidest du ihn ab und knotest das Ende fest. Fertig! Eine genaue Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du auch hier.

Durchgescheuerte Jeans

Eigentlich gehören Jeans ja zu den stabilsten Kleidungsstücken. Schließlich wurden sie auch genau dafür erfunden. Allerdings gehören sie heute auch zu den beliebtesten - und damit am häufigsten getragenen. Wir stellen sie dabei häufig auf eine Belastungsprobe, z.B. beim Fahrradfahren, Hosentaschen füllen oder einfach nur herumlaufen. Da kann es schon mal dazu kommen, dass die Jeans im Schritt oder an den Taschen aufscheuert und am Ende Löcher bekommt. Sehr ärgerlich, hat man doch eine ansonsten intakte und schön eingetragene Hose.

Hier gilt natürlich auch: Je früher du etwas unternimmst, desto einfacher ist es. Wenn du aufgescheuerte Stellen bemerkst, oder aus Erfahrung schon weißt, dass sie auftauchen werden, dann nimm dir am besten gleich ein bisschen Zeit und kümmer dich darum.

Was du brauchst:

  • Ein Bügeleisen
  • Ein Stück alten Jeansstoff (wenn du keinen hast, schau einfach mal bei Ebay oder im Stoffgeschäft)
  • Bügelvlies bzw. "Vlieseline" (kriegst du ebenfalls im Stoffgeschäft oder im Internet)

Dreh als erstes deine Jeans auf links. Wenn du schon ein richtiges Loch darin hast, dann leg ein passendes Stück Jeansstoff auf das Loch, sodass es die ganze geschwächte Stelle abdeckt. Als nächstes deckst du dieses mit einem noch größeren Stück Bügelvlies ab. Wie der Name schon verrät, lässt sich dieses nun mithilfe eines Bügeleisens quasi "festkleben". Ganz ohne Nähen! (Wenn du willst, kannst du es für noch mehr Haltbarkeit aber auch festnähen. Such dir dazu einen Faden aus, der bei der Farbe der Jeans nicht auffällt.) Übrigens kannst du das Vlies auch einzeln benutzen, um an den bekannten Stellen die Jeans von Vornherein zu verstärken, ehe überhaupt Löcher entstehen.

Bügelvlies für Jeans

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Kaputter Reißverschluss

Hier verspricht der Name ja gewissermaßen schon Verschleißerscheinungen. Aber auch wenn du nicht mit Gewalt daran reißt, kann es schon mal vorkommen, dass sich einzelne Zähne verbiegen und an dieser Stelle dann nicht mehr ineinander greifen. Die Folge: Der Reißverschluss öffnet sich wieder, obwohl du ihn eigentlich zugezogen hast. In manchen Fällen ist auch der Schieber (Zipper) das Problem – wenn dieser ausgeleiert ist, kann er die Zähne nicht mehr richtig zusammenschieben. Zum Glück kannst du beide Probleme ziemlich einfach beheben. Alles was du brauchst ist eine Zange (am besten eine schmale). Verbogene Zähne kannst du damit vorsichtig wieder in Position bringen, und wenn der Schieber zu locker ist, kannst du ihn an den Seiten von oben und unten zusammendrücken. Auch hier bitte Vorsicht walten lassen, sonst kann er zerbrechen.

Löcher in der Kleidung

Löcher lauern an vielen Orten: Am Lagerfeuer springt dich ein Funke an, der Rosenstrauch im Park möchte dich nicht so ganz vorbeilassen, oder dein T-Shirt bekommt ganz ohne ersichtlichen Grund eins dieser komischen Mini-Löcher - an letzteren sind übrigens oft keine Motten Schuld, sondern das Material des Stoffes: Beim sogenannten Single Jersey reicht es schon, dass ein Faden an einer Stelle kaputt geht, und schon löst sich das Geflecht um die Stelle herum ein Stück und es entsteht ein Loch.

Im Grunde gilt hier das gleiche wie schon bei durchgescheuerten Jeans: Wenn du nicht nähen möchtest, kannst du oft mit Bügelvlies schon einiges erreichen, bei Bedarf in Kombination mit einem passenden Stück Ersatz-Stoff. Auch die altbekannten Flicken für von-außen gibt es heutzutage nicht mehr nur zum aufnähen, sondern auch welche, die sich aufbügeln lassen.

Übrigens: Hat deine Regenjacke oder andere wasserfeste Outdoor-Kleidung mal ein Loch, kannst du dieses mit speziellen Gore-Tex Flicken reparieren. So bleibt die Funktionalität erhalten!

Für die, die sich rantrauen, hier noch die Königsdisziplin in Sachen Löcher reparieren: Socken stopfen! Da gerade Löcher in Socken gerne mal ein Stück größer sind, wird hier etwas mehr Faden verwendet. Du webst sozusagen ein neues Stück Stoff in das Loch und schenkst der Socke so ein längeres Leben. Dazu findest du zum Beispiel hier eine schöne Videoanleitung:

Viel Spaß!

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Risse in der Kleidung

Risse tauchen besonders gerne an den Nähten auf. Entweder die Naht selbst löst sich auf (vielleicht konntest du der Versuchung nicht widerstehen und hast einen losen Faden zu weit herausgezogen?) - oder der Stoff ist wegen der größeren Spannung an dieser Stelle neben der Naht aufgerissen. Erster Schritt: Zieh das gerissene Kleidungsstück am besten so bald wie möglich vorsichtig aus, damit der Riss sich nicht noch vergrößert.

Wenn eine Naht einfach nur aufgegangen ist, hast du natürlich den Vorteil, dass kein Schaden am Material an sich vorliegt. Jetzt sind deine besten Nähfähigkeiten gefragt: Füge die beiden Seiten so eng wie möglich wieder zusammen. Wenn es nicht so ganz ordentlich wird, setz lieber noch ein paar mehr Stiche, damit es auf jeden Fall hält. Wenn du einen unauffälligen Faden benutzt, wird am Ende niemand etwas davon bemerken!

Im anderen Fall kann es je nach Größe des Risses manchmal auch ausreichen, einfach die beiden Seiten wieder zusammenzunähen. Am besten solltest du in so einem Fall aber prüfen, in welchem Zustand sich der Stoff an dieser Stelle befindet. Wenn er schon großflächig dünn gescheuert ist, bringt es natürlich eher wenig, ihn zusammenzunähen. Dann bekommst du kurz danach nur den nächsten Riss! Jetzt solltest du lieber vorgehen wie schon bei den Jeans beschrieben: Verstärke die ganze geschwächte Stelle von innen mit Stoff und/oder Bügelvlies. Dann brauchst du dich um den Riss selbst womöglich auch gar nicht mehr zu kümmern.


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Was gibt es noch für Möglichkeiten?

Hast du noch keine Lösung gefunden? Vielleicht ist dein Kleidungsstück doch etwas zu anspruchsvoll oder du hast einfach keine Zeit, dich selbst damit auseinanderzusetzen? Dann geh doch mal in eine Schneiderei bzw. Änderungsschneiderei und zeig den Profis dort dein kaputtes Teil. Mit deren Erfahrung und Ausstattung kann doch noch das ein oder andere Wunder erreicht werden! Auch komplizierte Stücke wie Anzüge, Kleider, (Kunst)lederjacken und anderes können gute Schneidereien oft noch retten.

Wenn das alles nicht in Frage kommt, und du deine Sachen lieber entsorgen willst: Kaputtes gehört nicht in den Altkleidercontainer! Bring sie lieber zum Wertstoffhof, oder frag in deinem Umfeld, ob jemand das Material noch zum basteln gebrauchen kann. Du kannst die Reste wie gesagt natürlich auch selbst aufbewahren oder upcyclen.

Tipps für den Alltag

Wie du siehst, ist Kleidung reparieren gar nicht so eine große Sache. Doch noch besser ist es natürlich, gar nicht erst etwas reparieren zu müssen. Um deine Kleidung und damit auch dein Konto und den Planeten bestmöglich zu schonen, solltest du im Alltag ein paar Dinge beachten (wenn du das nicht sowieso schon tust):

Richtig Waschen

  • Faustregel für die Temperatur: 30° für Kleidung/Buntwäsche, 60° für Handtücher. Richtige Kochwäsche (95°) brauchst du normalerweise nicht.
  • Trenne deine Sachen auch nach hellen Farben und dunklen Farben. So vermeidest du Verfärben und Vergrauen.
  • Schließe vor dem Waschen alle Knöpfe, Haken und Reißverschlüsse. So verformen sie sich nicht und bleiben nirgends hängen.
  • Wasche nicht unnötig oft - Gerade Jeans und Überziehsachen brauchen normalerweise erst dann eine Wäsche, wenn sie wirklich mal schmutzig geworden sind.
  • Sieh dir im Zweifelsfall die Waschanweisungen auf dem Etikett an. Vieles davon brauchst du im Alltag nicht zu wissen, aber manchmal können sie doch hilfreich sein!

Arbeitskleidung aussuchen

Wenn du im Garten, in der Werkstatt oder woanders arbeitest, wo du Schmutz oder kleine Beschädigungen erwartest, dann such dir am besten spezielle Kleidung aus, die du nur dann tragen willst. So schonst du deine "guten Sachen" und kannst dich bei der Arbeit bedenkenlos dreckig machen!

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Viele der Symbole sind sehr spezifisch. Diese hier bedeuten:
40° Pflegeleicht - nicht bleichen - mäßig heiß bügeln - nicht chemisch reinigen - bei niedriger Temperatur trocknen - (von links bügeln)

Auf die Qualität achten

Heutzutage gibt es so viele Kleidungsmarken, dass der Überblick immer schwerer wird. Viele der Hersteller bringen etliche Kollektionen im Jahr heraus - eigentlich zu viele. Auch wenn es in dem Moment verlockend ist, nur wenige Euro für ein Kleidungsstück auszugeben, sind billige Produkte oft schlecht verarbeitet oder aus Material, das kaum eine Wäsche überlebt. Viel länger hast du deine Freude mit gut verarbeiteten Stücken, die dich viele Jahre lang begleiten können. Und am Ende bezahlst du für ein gutes T-Shirt genau so viel wie für 5 schlechte. Noch besser sind natürlich Kleidungsstücke, die nachhaltig und fair produziert werden. Heutzutage gibt es nachhaltige Kleidung für so gut wie jeden Geschmack, schau dich doch einfach mal um!


Wir hoffen, dir haben unsere Tipps und Infos rund ums Kleidung reparieren gefallen. Wir von kaputt.de sind der Meinung, (fast) alles lässt sich reparieren. Hast du ein kaputtes Handy oder Tablet? Dann schau doch mal auf unserer Seite vorbei. Wir suchen dir den besten Reparaturservice in deiner Nähe, oder zeigen dir direkt, wie du es selber machen kannst - mit den passenden Ersatzteilen.

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